Neustart

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Eigentümerin des C-Areals in Karlsruhe, auf dem sich xtra dance seit dem Jahr 2005 befindet, beschließt 2013, dass das Gebiet Sanierungsgebiet werden und verkauft werden soll. Für Unternehmen in dem Gebiet ist das eine unangenehme Open End Situation. Niemand kann sagen, wann die BIMA einen Käufer findet und wie schnell dieser dann sanieren möchte.

2014 gibt die Bundesanstalt bekannt, dass mit GEM Ingenieure ein Käufer für das Areal gefunden worden ist. Noch ist allerdings von einem Zeitplan für eine Sanierung keine Rede. Mietverträge werden aber jetzt nur noch kurz befristet ausgestellt. Erst Anfang 2021 gehen bei ersten Mietern von Immobilien auf der Fläche Schreiben ein, in denen die Räumung des gesamten C-Areals bis Ende 2021 angekündigt wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

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Martina Böckmann, Inhaberin von xtra dance, entscheidet nach etlichen Abwägungen und schweren Herzens, diese Zäsur als natürliches Ende ihrer Laufbahn zu betrachten und die Schule zu schließen.
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Die Entscheidung der Stadt Karlsruhe, ein Filetstück ihrer nutzbaren Fläche an einen Immobiliengroßinvestor zu verkaufen, wird dazu führen, dass 700 TänzerInnen bald auf der Straße stehen. Die Nordstadt verliert ein Epizentrum kultureller Begegnung. Etlichen Kreativen, von Fotografen über Konzertveranstalter, xtra dance, bis zur Tofu-Manufaktur wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Allein bei der Tanzschule werden sich 16 TanzlehrerInnen nach neuen Jobs umsehen müssen. Nicht gerade ein Kinderspiel in diesen Zeiten.
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Erika und Nadine, zwei langjährige Tanzlehrerinnen an der Schule, wollen nicht hinnehmen, dass nach Jahren kreativer und intensiver Begegnungen mit so vielen talentierten Kids plötzlich Schluss sein soll. Wovon sollten sie selbst künftig leben? Wie werden etliche Kinder zukünftig ihre Nachmittage verbringen, wenn nicht bei xtra?

Die beiden nehmen ihren ganzen Mut zusammen und entschließen sich, die Tanzschule zu übernehmen. Martina Böckmann sagt volle Unterstützung zu. Ihr Baby würde also weiterleben.

Die_Neuen_Nadine

Jetzt muss ein neuer Standort gefunden werden, groß genug, um einer mitgliederstarken Tanzschule wie xtra dance genügend Platz für große Formationen zu geben. Dabei muss der neue Raum bezahlbar sein und verkehrsgünstig liegen. 25 Immobilien sehen Erika und Nadine sich an, darunter die historische Walhalla in der Südstadt. Sie bleibt eine Option, während die beiden weiter suchen. Es stellt sich heraus, dass alles was ihnen nach der Walhalla angeboten wurde, viel zu teuer oder viel zu weit außerhalb war. 

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Die Walhalla also. Nordstadt, Südstadt: NEUSTART!

Ein neuer Platz für das Fortbestehen von xtra dance war gefunden. Es ging jetzt ans Eingemachte, Kleingedruckte. Zwei passionierte Tanzlehrerinnen erfinden sich neu als gewiefte Unternehmerinnen. Verträge müssen verhandelt und aufgesetzt werden. Der Mietvertrag kann erst unterschrieben werden, wenn die Unterlagen, die dem Förderkredit zugrundeliegen, ausformuliert und ebenfalls unterschrieben sind. Und umgekehrt. Es ist September, in drei Monaten muss die neue Schule öffnen!

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In den Räumen der Walhalla wird jetzt Staub geschluckt. Wände werden umgesetzt oder neu eingezogen. Die zukünftigen Tanzsäle stehen voll mit meterhohen Baugerüsten. Schubkarren warten auf ihren Einsatz, kilometerlange Kabel bringen Strom aus der Tiefe des Raums. Es ist eiskalt inzwischen - und November.
Das Fundament für eine zielführende Kooperation von Erika und Nadine ist die jahrelange Erfahrung der beiden in ihren Kernkompetenzen, die gegenseitige Versicherung, das Projekt unbedingt zu realisieren, ihre innere Stärke und strikte Arbeitsteilung.

Die beiden wachsen an den Herausforderungen, mit denen sie bei der Übernahme eines Apparates wie xtra dance konfrontiert sind. Während fast im Minutentakt kniffelige Fragen beantwortet werden müssen, werden aufkommende Schwierigkeiten, technische oder amtliche, präzise bearbeitet oder aber charmant beiseite diskutiert.

Für beide Frauen gilt: Das Ziel ist das Ziel. Der Weg dorthin, die Überwindung aller Hindernisse werden als Selbstvergewisserung der eigenen Superkräfte wahrgenommen.

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